Die Magie unserer Gedanken

Die Magie unserer Gedanken

Die Magie unserer Gedanken

Der bekannte Magier und Hypnotiseur Thimon von Berlepsch im Interview

Das Frühstücksbuffet wird schon langsam abgeräumt, während Thimon und ich den sonnigen Morgen im großzügigen Wintergarten der Yachthafenresidenz „Hohe Düne“ in Rostock Warnemünde genießen. Noch einmal lassen wir die magischen Momente vom gestrigen Abend an uns vorüberziehen. In kleiner Runde von fünfzig ausgewählten Gästen hatte der berühmte Mentalist Thimon von Berlepsch seine Zuschauer mit Salonmagie und Hypnose verzaubert. Nur mit der Kraft der Worte und der Vorstellungskraft versetzte er einige der Teilnehmer in Trance und zog dabei alle Register der hohen Kunst. Das ganze Spektrum der hypnotischen Phänomene wie „steifer Arm“, „Zahlen vergessen“, „Festkleben am Stuhl“ bis hin zum „Namen vergessen“ und „Unsichtbarkeit des Hypnotiseurs“ zauberte ungläubiges Staunen in die Gesichter des Publikums.

Den Impuls für die fesselnde Reise in das Reich der Magie erhielt der junge Thimon mit dreizehn Jahren auf Schloss Berlepsch, der Ritterburg seiner Vorfahren. In einer Dachkammer des Turmes entdeckte er in einer Truhe das verstaubte „Handbuch der modernen Salonmagie“ aus dem Jahre 1891. „Damit war meine Neugier und Begeisterung geweckt! Stundenlang übte ich immer wieder und wieder die beschriebenen Tricks bis zur Perfektion.“ Seine Fertigkeiten vervollkommnete er unter Anleitung seines Mentors Carlhorst Meier und gewann schon im Alter von 15 Jahren die deutschen Jugendmeisterschaften der Kartenmagie. Durch die Reisen und Auslandsaufenthalte seiner Eltern lernte der junge Zauberer zahlreiche Länder und Kulturen kennen. Schon bald erkannte er die „Sprache der Magie“ als internationales Verständigungsmittel und knüpfte damit Kontakte. „Diese Reisen haben mich immer fasziniert. Ich wollte mehr über Land und Leute wissen und las Bücher. Erst mit den Büchern in der jeweiligen Landessprache kam die Sehnsucht diese Sprachen zu lernen. Das hatte mich in der Schule nicht sonderlich interessiert.“ Neben Deutsch beherrscht Thimon Englisch, Spanisch, Französisch und Portugiesisch.

„Diese faszinierenden fremden Orte haben mein Denken beeinflusst. Ich habe gelernt, wie andere Kulturen mit Herausforderungen umgehen: zum Beispiel Gelassenheit. Wenn der Bus nicht kommt, dann ist es auch gut. Wie kann ich mich auf Situationen besser einlassen? Brasilien war für mich das Land mit der meisten Lebensqualität. Der leichte Umgang miteinander, das Flirten und dieses Spiel der Musik im Blut. Ganz im Gegensatz dazu die vielen Probleme und Herausforderungen. Kulturell hat mich Burma, das heutige Myanmar, am meisten beeindruckt. Alles orientiert sich so sehr an der Kultur, am Ursprung. Nirgendwo war der Buddhismus so präsent. Hier lernte ich sehr stark die Bedeutung von Ritualen kennen.“

Für den Mentalisten sind Rituale eine bedeutende Quelle geistiger Kraft. Sie ermöglichen zum Innehalten und zur Besinnung. Rituale geben die Kraft, sich auf eine Sache zu konzentrieren und Dinge ganz bewusst zu tun. Unabhängig von unserer religiösen Grundhaltung gewähren sie die Möglichkeit, Dankbarkeit zu zeigen. „Wenn es keine Rituale gäbe, dann arbeiten wir die Dinge nur ab, ohne uns über deren Tiefe und Bedeutung klar zu sein. Rituale können körperlich oder seelisch heilend wirken.“

Eine weitere Chance zu geistiger Reife sieht der Meister der Gedanken darin, Handlungen auch mal ganz anders durchzuführen. „Tue mal Dinge anders. Hinterfrage auch mal Rituale. Traditionen sind stark, aber auch zu hinterfragen: Warum ist das noch nötig? Der Mensch möchte alles in ein Programm ablegen. Suche nach der Magie des Neuen! Magie entsteht nur aus dem Unbekannten.“

Wir kommen auf das Thema Glück und Gesundheit zu sprechen. Ich möchte Thimons Meinung dazu hören, wie unsere Gedanken Glück und Wohlbefinden beeinflussen. „Wir sollten unsere Gedanken nicht zum Non plus Ultra erheben. Das ist genau das, was ich mit meinen Hypnosen zeigen will. Dir sollte klar sein, dass die Welt, wie du sie gerade wahrnimmst, nur eine subjektive Realität ist. Und dass diese Wahrheit ganz ganz schnell verändert werden kann. Und wenn die Wahrnehmung verändert werden kann, dann darf man sich doch fragen, welche Realität will ich denn wahrnehmen? Wenn die jetzige Realität mich limitiert, mich runterzieht, mich traurig macht oder einfach langweilt, dann kann ich diese Interpretation verändern, und da geht es als ersten Schritt beim Denken los. Sollen meine Gedankenmuster überhaupt so bleiben? Spiegeln sie überhaupt die Situation richtig wieder?“

In seinen Hypnosen verändert Thimon die Realität des Publikums durch seine Angebote. Wenn der Teilnehmer dieses Angebot gedanklich annimmt, dann verändert sich seine Realität. In der NDR Talkshow vom 3. Juni 2018 hat der Mentalist das wieder auf anschauliche Weise vor einem Millionenpublikum unter Beweis gestellt.

„Und das bedeutet in Konsequenz: Ich kann meine Gedanken kontrollieren. Ich kann mich bewusst entscheiden aus einer belastenden Situation herauszugehen. Hör auf, immer wieder in der schlechten Situation zu verweilen. Da ist Hypnose sehr wichtig und wirkungsvoll. Unser Denken findet im Gehirn statt. Es gibt neuronale Vernetzungen. Also kann man diese Vernetzungen auch neu verknüpfen.“

Meine letzte Frage an Thimon von Berlepsch: „Was ist die Welt für dich?“

„Diese Welt ist das, was du von ihr denkst. Glaube ich daran, dass die Welt böse ist, nehme ich irgendwann nur noch Böses wahr. Glaube ich daran, dass die Welt gut ist, nehme ich Gutes wahr und alles erstrahlt im Licht. Unsere Glaubenssätze erschaffen unsere Realität, ihre magische Kraft ist enorm. Wollen wir mit Neugier und Vorstellungskraft unsere Welt verändern, brauchen wir Glaubenssätze, die unsere Wunschwelt erschaffen.“