Der Osterhase – ein Interview

Der Osterhase – ein Interview

Der Osterhase – ein Interview

Was uns der Osterhase sagen will – ein Interview
Jedes Jahr feiern wir Ostern und wissen manchmal gar nicht mehr, was eigentlich der Ursprung ist. Der Sinn des Osterfestes mal aus der Sicht des Osterhasen betrachtet.

Nach wochenlangen Recherchen und verdeckten Ermittlungen ist es mir endlich gelungen, einen wahren Experten für das Osterfest vor das Mikrofon von Psychotalk zu bekommen. Ja, und es ist kein geringerer als der „Osterhase“ selbst. Nach mehreren Versuchen, einen geeigneten Termin zu finden, einigen wir uns schließlich auf ein geheimes Treffen in einem Waldstück am Südrand der Lüneburger Heide.

Udo Gast: Hallo Osterhase! Toll, dass es doch noch geklappt hat und du dir die Zeit für das Gespräch nimmst.
Osterhase: Klar doch, obwohl ich im Augenblick natürlich wenig Zeit habe, bin ich gern gekommen, um mal ein paar Dinge klar zu stellen.
Das klingt so, als ob dir da was auf der Seele brennt. Wie bist du eigentlich an den Osterjob gekommen?
Zunächst einmal will ich anmerken, dass ich den Job nicht allein mache, sondern zusammen mit mehr als tausenden weiteren Kollegen. Ist doch logisch, dass wir das bei dem Arbeitsaufkommen auch gar nicht schaffen würden. Ich bin aber der Vorstandssprecher der Osterhasen Service Konvention (OSK), und da weiß ich natürlich schon, wie „der Hase läuft“. Eigentlich haben wir Hasen mit Ostern, dem Fest der Auferstehung Christi, gar nichts am Hut.
Und wie kam es dann dazu, dass ihr Hasen so eine große Bedeutung für das Osterfest erlangen konntet?
Ach, die einen sagen so und die anderen sagen so. In den Erzählungen hält sich hartnäckig die Legende vom missglückten Osterbrot. Das erste Symbol für das christliche Osterfest ist ja eigentlich das Lamm. Das findet sich nicht nur in Form des Osterbratens, sondern auch in Brot und Gebäckform wieder. Nach einer Legende soll ein „Osterlamm“ im Backofen so missglückt sein, dass es wie ein Hase aussah und daraus postwendend der Osterhase entstand. Wer’s glauben mag!
Schon im byzantinischen Reich galt der Hase als Symbol für Christus, den Auferstandenen. Eine andere Erklärung geht davon aus, dass der Hase das Symbol der germanischen Fruchtbarkeitsgöttin Eostrae war. Einem angelsächsischen Mönch zufolge leitet sich das Wort „Ostern“ aus dem Namen der Göttin her. Erst Ende des 17. Jahrhunderts wurden wir Osterhasen als „Gabenbringer“ mit dem christlichen Fest in Verbindung gebracht. Damals berichtete ein Heidelberger Arzt vom regionalen Brauch in der Pfalz, im Elsass und am Oberrhein an Ostern Eier zu verstecken. Da wir Hasen ja wesentlich flinker auf den Beinen sind, als die Hühner, die eigentlichen Produzenten, erklärt die Tatsache, dass wir noch nie beim Verstecken erwischt wurden.
Stimmt, meine Großmutter hat mir früher immer weiß machen wollen, sie hätte den Osterhasen gesehen, der die bunt bemalten Eier und die Geschenke vor die Tür gelegt habe.
Um das mal klar zu sagen: Wir legen nichts irgendwo hin, sondern wir verstecken unsere Geschenke. Das war dann deine Großmutter wohl selber. Wenn ich mal die Zeit finde, Kinder heimlich bei der Suche zu beobachten, dann ist es für mich das Größte, zu sehen wie die Kleinen mit viel Fantasie unter jedem Strauch und in jedem Loch nach den Geschenken Ausschau halten, um dann mit großer Freude ihre Belohnung zu präsentieren.
Dann macht dir das Verstecken also auch noch Spaß?
Leider immer weniger!
Oh, wie darf ich das denn verstehen?
Das will ich dir erklären. Früher haben wir in erster Linie bunt bemalte Eier und vielleicht noch ein paar Süßigkeiten versteckt. Heute stopfen uns unsere Auftraggeber mit elektronischen Spielen, Handys, iPads, jede Menge Gutscheinen und allem möglichen Zeugs voll. Ich frage dich: Was hat das denn noch mit der Osterbotschaft zu tun? Sollen wir etwa neben Weihnachten noch einen weiteren Geschenkerausch im Frühjahr etablieren? Nicht nur, dass sich meine Hasenkollegen über den massiven Arbeitsaufwand beschweren. Ich bekomme mittlerweile sogar böse Briefe von Nikolaus und Weihnachtsmann.
Stimmt, so habe ich das noch gar nicht gesehen.
Na, überlegen wir doch einmal, worum es Ostern eigentlich geht! Da geht es um die Geschichte eines Mannes, der für andere einstand und deren Leid auf sich genommen hat. Er kümmerte sich um die Armen und Bedürftigen. Dafür wurde er verraten und ans Kreuz geschlagen und hat dann auch noch sein Leben gegeben, um am dritten Tage wieder aufzustehen und den Menschen Hoffnung für ein richtig gutes Zusammenleben zu geben. Das ist schon eine coole Geschichte! Für uns Hasen sind die bunten Eier und die kleinen Geschenke die symbolischen Überbringer der „Guten Nachricht“.
Dann versteht ihr Hasen euch sozusagen als Botschafter?
So könnte man das sagen. Schau mal, unsere Geschenke muss man suchen, und das ist im täglichen Leben auch so. Für deine Belohnungen musst du schon mal in Vorleistung gehen und dich auf die Suche machen. Und dann sind da die leuchtenden Kinderaugen, die sich selbst über kleine Dinge freuen können. Vielleicht könnt ihr Menschen von euren Kindern ja noch etwas lernen. Auch das Lächeln im Gesicht deines Gesprächspartners versteckt sich oft hinter einer Maske und du musst es erst entdecken oder gar hervorzaubern. Leider verschwindet es oft so schnell wie ich mich jetzt wieder auf den Weg machen muss.
Lieber Osterhase, jetzt hast du mich ziemlich nachdenklich gemacht! Ich danke dir sehr für das aufbauende Interview.
Dietrich Bonhoeffer hat einmal gesagt: „Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln“. Ich wünsche deinen Lesern ein wunderbares „traditionelles“ Osterfest!